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Kinder im Kindergarten nicht ausgelastet, warum das heute so oft passiert und was wir daraus lernen können

Kinder im Kindergarten nicht ausgelastet, warum das heute so oft passiert und was wir daraus lernen können

Hast du dich schon einmal gefragt, warum viele Kinder im Kindergarten unruhig wirken, sich schwer konzentrieren können oder sogar aggressiv werden, obwohl sie eigentlich nichts „Schlimmes“ erlebt haben?

Warum so viele Eltern berichten, dass ihr Kind nach der Kita wie aufgedreht ist, oder im Gegenteil völlig erschöpft?

Vielleicht liegt es nicht daran, dass Kinder „zu wild“ sind oder „zu empfindlich“.

Vielleicht liegt es daran, dass die Welt sich verändert hat und unsere Kindergärten nicht mehr dieselben sind wie früher.

Aus meiner Erfahrung als Kinder-Entspannungs­trainerin sehe ich immer wieder genau dieses Phänomen:

Kinder sind nicht zu viel, die Umgebung ist oft zu wenig.

Zu wenig Bewegung.

Zu wenig Sinneserfahrung.

Zu wenig echtes freies Spiel.

Zu wenig Natur.

Und dafür zu viel Reiz, zu viel Lärm, zu viel Struktur und zu wenig echte Entspannung.

Warum Kinder heute im Kindergarten oft nicht ausgelastet sind

Die Kindheit früher war anders. Nicht besser oder schlechter, sondern anders.

Es gab mehr Platz, mehr Freiheit, mehr Natur, mehr Risiko, mehr Mut und mehr körperliche Aktivität.

Kinder waren körperlich gefordert und dadurch emotional ausgeglichener.

Heute sieht der Alltag vieler Kinder ganz anders aus:

Kindergärten sind oft voll, Gruppen sind groß, Personal ist knapp, der Tag ist durchgeplant.

Statt echter Bewegung gibt es „Bewegungsangebote“, statt freiem Spiel gibt es „pädagogische Phasen“,

statt Abenteuer gibt es Sicherheitsregeln, statt Natur gibt es Spielzeug, statt Stille gibt es Geräusche von morgens bis nachmittags.

Der Körper eines Kindes braucht aber Bewegung wie Nahrung.

Ohne Bewegung staut sich Energie und diese gestaute Energie wird zu Unruhe.

Die Vorteile von früher und warum Kinder sie heute vermissen

Früher durften Kinder:

  • länger draußen spielen
  • klettern, springen, dreckig werden
  • Risiken eingehen
  • Grenzen testen
  • mit der Natur interagieren
  • sich frei entfalten

Das war kein Luxus, das war Entwicklung. Kinder haben früher durch Bewegung gelernt.

Sie wurden ruhiger, weil sie sich auspowerten. Sie wurden selbstbewusster, weil sie ihre eigenen Fähigkeiten kannten.

Sie waren ausgeglichener, weil sie sich körperlich ausdrücken konnten.

Heute fehlen diese Erfahrungsräume oft.

Nicht aus Bosheit, sondern weil unser Alltag sich verändert hat.

Mehr Regeln, weniger Platz, mehr Struktur, weniger Freiheit.

Viele Kindergärten geben ihr Bestes, doch sie kämpfen gegen eine Welt, die immer sicherer, enger und kontrollierter wird.

Die Vorteile der heutigen Kindergärten und warum sie trotzdem nicht reichen

Natürlich hat sich auch viel positiv entwickelt:

Mehr pädagogisches Wissen, bessere Bildungskonzepte, mehr Sprachförderung, mehr Schutz, mehr Bewusstsein für emotionale Bedürfnisse.

Doch genau hier entsteht das Paradox unserer Zeit:

Kinder bekommen immer mehr Bildung, aber immer weniger Bewegung.

Immer mehr Förderung, aber immer weniger Natur.

Immer mehr Struktur, aber immer weniger Freiheit.

Der menschliche Körper, vor allem der eines Kindes, ist nicht für stundenlanges Sitzen gemacht.

Nicht für permanentes Höflichsein.

Nicht für durchgeplante Abläufe.

Kinder brauchen das Chaos der Welt, um ihre innere Ordnung zu finden.

Was passiert, wenn Kinder nicht ausgelastet sind

Wenn ein Kind zu wenig Bewegung bekommt, werden Emotionen nicht verarbeitet.

Alles, was es erlebt, bleibt „stecken“.

Es äußert sich dann als:

  • Unruhe
  • Trotz
  • Aggression
  • Müdigkeit
  • Reizbarkeit
  • Weinen ohne Grund
  • Konzentrationsschwäche
  • Überforderung

Und all diese Dinge werden oft falsch gedeutet:

„Das Kind ist schwierig.“

„Das Kind ist laut.“

„Das Kind ist sensibel.“

Nein.

Oft ist es einfach unterbewegt.

Und aus meiner Arbeit als Entspannungstrainerin weiß ich:

Kinder, die sich bewegen dürfen, brauchen weniger „Erziehung“ und mehr „Begleitung“.

 Was Kinder wirklich brauchen, heute mehr denn je

Kinder brauchen das, was sie immer gebraucht haben:

  • Freiheit
  • Körpererfahrung
  • Natur
  • Emotionale Sicherheit
  • Zeit für sich
  • Zeit zum Spielen
  • Berührung
  • Ruhe
  • Entspannung

Und sie brauchen Erwachsene, die verstehen, dass ihre Unruhe kein Fehlverhalten ist, sondern ein Hilferuf des Körpers:

„Ich möchte mich spüren.“

Kindern Entspannung beizubringen heißt nicht, sie stillsitzen zu lassen.

Es bedeutet, ihnen zu zeigen, wie man Energie ausgleicht:

Bewegung, Spiel, Ausdruck und danach Ruhe.

Fazit: Kinder sind nicht das Problem, unser System ist zu eng geworden

Ein Kind, das im Kindergarten unruhig oder „nicht ausgelastet“ wirkt,

ist kein schwieriges Kind.

Es ist ein Kind, das sich nach dem sehnt, was früher selbstverständlich war:

Bewegung, Freiheit, Natur, Körperlichkeit, Echtheit.

Bleib nicht stehen und gib Kindern wieder das zurück, was sie stark, entspannt und selbstbewusst macht:

Raum zum Wachsen.

„Kinder brauchen keine perfekte Umgebung, sie brauchen Platz, Liebe und Bewegung.“

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